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Im Spätjahr kam ein wüster Geselle mit einem starken Bartwuchs zum Barbier von Segringen und verlangte eine gründliche Rasur, setzte aber gleich hinzu: "Ich habe eine kitzlige Haut. Wenn du mich schneidest, bringe ich dich um. Du wärst nicht der erste. Schneidest du mich nicht, zahle ich dir vier Gulden."

Wie der erschrockene Mann das hörte, der fremde Mann machte ein Gesicht, als spaße er nicht, so sprang er fort und schickte seinen Gesellen. Der erfuhr das gleiche, machte sich aus dem Staub und schickte den Lehrjungen. Der Lehrjunge ließ sich von dem Geld blenden und dachte: "Ich wag's. Geratet es, und ich schneid ihn nicht, so kann ich mir für die vier Gulden einen neuen Rock für die Kirchweih kaufen. Geratet's nicht, so weiß ich, was ich tue", und er rasiert den Herren.

Der Herr hält ruhig still, weiß er doch nicht, in welcher Todesgefahr er sitzt. Der verwegene Lehrjunge spaziert ihm kaltblütig mit dem Messer im Gesicht und um die Nase herum, als wäre alles ganz normal und ginge nicht um Leben und Tod. So bringt er dem Fremden ohne Schnitt und ohne Blut den Bart aus dem Gesicht, und dachte doch, als er fertig war: Gottlob!

Als aber der Herr aufgestanden war, und sich im Spiegel betrachtet und abgetrocknet hatte, und gibt dem Jungen die versprochenen vier Gulden. und sagt zu ihm: "Aber junger Mann, wer hat dir den Mut gegeben, mich zu rasieren, zumal doch dein Meister und sein Geselle flüchteten? Denn wenn du mich geschnitten hättest, wärst du jetzt tot."

Der Lehrjunge bedankt sich lächelnd für den Lohn und sagt: "Gnädiger Herr, Ihr hättet mich nicht umgebracht, denn, wenn Ihr auch nur gezuckt hättet, so wär ich Euch zuvorgekommen und hätte Euch augenblicklich die Gurgel durchgetrennt."

Als der Fremde das hörte, und an die Gefahr dachte, in der er gesessen hatte, rann ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken. Er wurde noch nachträglich leichenblaß und schenkte nun dem Buben noch einen Gulden dazu.
Seitdem hat er niemals mehr zu einem Barbier gesagt: "Ich bringe Dich um, wenn Du mich schneidest."

Johann Peter Hebel, (1760 - 1826), Schweizer Dichter, Erzähler und Theologe