Endlich war es so weit! Naraki rannte zu der Lichtung mit der riesigen Eberesche. Er lehnte sich an den Stamm der Eberesche und begann, auf seiner Flöte zu spielen. Sogleich glitt eine große goldbraune Schlange über die Äste nach unten und richtete sich vor Naraki auf. „Du willst also wirklich ein Adler werden? Mit allem, was dazugehört?“
„Oh, Minuka, seit vielen Jahren warte ich auf diesen Moment, und du hast mir versprochen, dass du mich an meinem 21. Geburtstag in einen Adler verwandelst, wenn ich es da immer noch will. Heute ist es so weit – ja ich hab’s mir gut überlegt.“
„Wie du willst“, erwiderte die Schlange. „Schließ die Augen, und stelle dir dein neues Leben als Adler vor.“ Während Naraki sich als Adler durch die Lüfte gleiten sah, spürte er, wie sich seine Arme veränderten. Er öffnete die Augen und sah, dass er nun zwei große Schwingen hatte mit einem wunderschönen weiß-grauen Federkleid.
„Du bist noch zu schwer, um fliegen zu können. Lege alles ab, was du bei dir trägst.“
„Meine Flöte auch?“ fragte Naraki leise.
„Was willst du mit ihr als Adler?“
Langsam legte Naraki seine Habseligkeiten unter die Eberesche. Als er die Flöte obenauf legte, spürte er einen feinen Stich im Herzen.
„Stell dich wieder hin und schließe deine Augen.“ Kaum hatte Naraki seine Augen geschlossen, spürte er auch schon eine Veränderung in seinen Beinen. Wieder sah er sich als Adler hoch oben auf einem Felsen, aber er konnte sich an dem Anblick nicht erfreuen. Unsicher öffnete er die Augen. „Hat ein Adler eigentlich Freunde?“ Minuka lachte. „Wen denn? Die Mäuse vielleicht? Aber dafür ist er frei und mächtig.“
„Und einsam“, flüsterte Naraki. Dann fiel sein Blick auf die Schlange und er zuckte zusammen. „Was passiert mit dir, Minuka? Du siehst so anders aus, irgendwie bedrohlich.“
„Sehe ich wirklich anders aus, oder siehst du mich jetzt mit anderen Augen? Hast du nicht bedacht, dass eine Veränderung deines eigenen Lebens sich auf alles auswirkt, was mit dir zu tun hat?“ Naraki sank langsam zu Boden, Tränen liefen ihm übers Gesicht. „Kann ich denn nicht beides sein? Ein Indianer und manchmal ein Adler?“
„Nein, Naraki, du musst dich entscheiden. Aber vielleicht findest du in deinem Herzen einen anderen Weg. Bisher hast du immer nur an den Adler gedacht. Wenn du ihn aufgibst, ist da vielleicht Platz für ein neues, besseres Ziel.“
Langsam ließ Naraki seinen Blick über seinen Adlerkörper streifen, dann sah er zum Himmel hinauf und sagte: „Verwandle mich zurück. So gerne ich ein Adler wäre, die Einsamkeit könnte ich nicht ertragen.“
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