Wahrnehmung oder Interpretation?

Def.:
Über seine (fünf) Sinne kann der Mensch Informationen über seine Umwelt erhalten.
Die gezielte Wahrnehmung (Beobachtung) ist ein Prozess, indem ich bestimmte, interne oder externe, Fakten registriere. Dadurch ist die reine Wahrnehmung pur und unverfälscht. Erst durch die weitere Verarbeitung im Gehirn kann es zu einer Interpretation kommen. Zwangsläufig muss ich dabei andere Vorgänge vernachlässigen, da wir nur eine bestimmte Anzahl von Fakten (7 ± 2, Miller) beachten können.

Zugangshinweise: GABEL - System
Gestures: Gestik
Accessing cues: Atmung, Gesichtsausdruck, Stimmlage + Tempo
Body posture: Körperhaltung
Eye movements: Augenbewegungen
Language patterns: Sprache (Sprachmuster)

Gestik

Menschen zeigen häufig, welches Rep.-System sie gerade benutzen. So reiben sie sich die Augen oder die Nasenwurzel (visueller Hinweis), kratzen die Ohren oder legen Hand / Finger auf den Mund (auditiv) oder legen die Hände auf den Bauch (Kinästhetisch).
Mit dem Finger oder der Hand auf etwas zeigen oder mit den
Armen „winken“ lässt in der Regel auf einen visuellen Zugang schließen. Ist dagegen der gesamte Körper in Bewegung, wird der kinästhetische Kanal eingesetzt.
Außerdem kommt es auf die Tätigkeit an, die jemand gerade ausübt:
Beim Lesen und Fernsehen wird hauptsächlich der visuelle Modus bevorzugt, wenn wir Radio hören dagegen das auditive System.

Zugangshinweise (Accessing cues)

Atmung:
Visuell: Flache Atmung im oberen Brustbereich
Auditiv: Gleichmäßige Atmung im mittleren Brustkorb (Zwerchfellatmung)
Kinästhetisch: Volle Atmung im Unterbauch. Je intensiver die Atmung, desto tiefer die Atmung

Gesichtsausdruck:
Visuell: Leicht gerötete Gesichtshaut
Auditiv: Etwas stärker gerötet
Kinästhetisch: Tief gerötet

Stimmlage:
Visuell: Gespannt, nasal
Auditiv: Mittlere Tonhöhe mit klarer Aussprache
Kinästhetisch: Tiefere Stimme

Sprechtempo:
Visuell: Schnell; Grund: Man muss den inneren Bildern folgen (ein Bild sagt mehr als 1000 Worte)
Auditiv: Gleichmäßig
Kinästhetisch: Langsam, mit mehreren Pausen (Gefühle entwickeln sich langsamer und der Kontakt zu ihnen dauert länger)

Body posture: Körperhaltung

Visuell:
Angespannter Schultern- u. Nackenbereich; zusammengezogene Schultern; eventuell angespannte Bauchmuskulatur

Auditiv:
Gleichmäßig verteilte Körperspannung; die Schultern sind leicht zurückgenommen und der Kopf kann leicht auf eine Seite geneigt sein (Telefonhaltung)

Kinästhetisch:
a) Entspannte Muskeln; leicht hängende Schultern mit geradem Kopf
b) Straffe Muskeln; straff hängende Schultern mit geradem Kopf, wobei der gesamte Körper in Bewegung ist

Eye movements: Augenbewegungen

Wir sprechen auch von Augenzugangshinweisen (AZH), Augenbewegungsmuster oder Augensuchmuster, die uns ebenfalls sehr gute Hinweise auf das benutze Rep.-System geben.

Allerdings werden gerade in diesem Bereich manchmal falsche Aussagen getroffen. So wird (teilweise auch in Filmen und Serien) berichtet, dass wir durch das Beobachten der Augenbewegungen erkennen können, ob eine Person die Wahrspricht oder lügt.
Das ist falsch! Wenn wir sehen, dass jemand nach oben rechts blickt, dann wissen wir - dass er nach oben rechts blickt! Das ist Beobachtung. Jetzt haben Bandler/Grinder herausgefunden, dass unsere Augen doch mehr über unsere inneren Abläufe verraten.

Mehr über die Augensuchmuster finden Sie hier

Language (Sprachmuster)

Einer der auffälligsten Hinweise auf das bevorzugte Repräsentationssystem sind die Wörter, die wir Menschen benutzen.
Wir glaubten immer, dass „die Anderen“ die Wörter mehr symbolisch benutzt werden, z.B. „Ich sehe keine Zukunft.“, „Das klingt gut!“, „Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen.“, „Es scheint so.“

Bandler / Grinder haben festgestellt, dass wir die Wörter auch wörtlich meinen. Wenn jemand ich visuell erinnert, visuell konstruiert oder etwas sieht, benutzt er auch Wörter aus dem visuellen System. Die Begriffe für den auditiven und kinästhetischen Zugang gelten analog, d.h. Wörter wie klingen, stimmig, tönen weisen auf auditiven, Wörter wie spüren, fühlen, begreifen, riechen, schmecken weisen auf kinästhetischen Zugang hin. Wörter aus dem Geschmacks- und dem Geruchssinn werden der Kinästhetik zugeordnet, da sie nur in bestimmten Situationen auftreten. Vor allen gibt es sie als (annähernd) reines, eigenständiges Repräsentationssystem nicht.

Wörter aus dem visuellen System:
Vorstellen, ansehen, schauen, blicken, zeigen, bildlich, hell / dunkel, scheinen, klar, trübe, neblig, leuchten, verschwommen, Perspektive, alle Farben, farbig, abzielen

Wörter aus dem auditiven System:
Laut, stimmig, Resonanz, Harmonie, harmonisch, klingen, für etwas eine Antenne haben, gefragt, Zwischentöne heraushören, Musik in meinen Ohren, pfeifen, schrill

Wörter aus dem kinästhetischen System:
Fühlen, anrühren, begreifen, spüren, bewegen, glatt, berühren, spannend, griffig, feucht, hart, rau, jucken, kratzen, nachvollziehen, schlüpfrig, warm, kalt, schieben

Olfaktorische (Geruch) und gustatorische (Geschmack) Wörter:
Bitter, scharf, Geschmack, süß, sauer, salzig, dufte, stinkig, riechen, riechen, erfrischend, pikant, schmecken, brenzlig, würzig

Wenn Sie auf die Wörter achten, z.B. bei Gesprächen, in Interviews im Radio / TV usw., dann werden Sie natürlich (fast täglich) neue Worte hören und Ihr Gespür für die Wahrnehmung wird wachsen – und bald werden Sie sehen, wie einfach das Aufdecken dieser Repräsentationssysteme ist.

Ich möchte anmerken, dass diese Repräsentationssysteme nur selten in Reinform auftreten. Meistens sind Mischtypen vorhanden, die nur in bestimmten Situationen (Zuständen) einzeln auftreten. Tatsächlich ist es so, dass uns jederzeit alle Systeme zur Verfügung stehen – doch aus Gewohnheit benutzen wir eines stärker und deshalb auch besser.

Rapport

Das Wissen um das bevorzugte Repräsentationssystem hilft mir, Rapport aufzubauen. Rapport ist nichts anderes als eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die die andere Person und mich verbindet. Kurz gesagt: Zur besseren Verständigung, zum besseren Miteinander.
Rapport und Empathie sind zwei wichtige Grundpfeiler in der Kommunikation, in der Beratung und im täglichen Miteinander.

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