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„Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen.“ Aldous Huxley |
Selten ist wohl eine Statistik so echt wie diese: Kennen Sie die statistisch häufigsten Vorsätze, die Menschen sich an Silvester setzen?
Sehen Sie, sie wissen es. Aufhören zu rauchen, abnehmen, mehr Sport.
Wissen Sie, welche Vorsätze am häufigsten scheitern? Stimmt. Auch diese drei.
Ich fahre seit Jahren sehr gut mit einem einzigen Vorsatz: Keine Vorsätze zu haben. Wer sich aus einer Silvesterlaune heraus etwas vornimmt läuft Gefahr, mit verklingen dieser Laune auch den guten Vorsatz über Bord zu werfen. Das schlechte Gewissen bleibt.
Sie lassen sich nicht von mir überzeugen? Oder haben Sie sich etwas vorgenommen und möchten das auch unter allen Umständen durchziehen? Okay. Die gute Nachricht: Sie haben es selbst in der Hand. Im Normalfall liegt es an Ihnen, ob Sie es schaffen. Ich sage nicht, dass Sie es nicht ernst meinen. Doch gibt es ein paar Stolperfallen, die leicht übersehen werden.
Die 10 Stolperfallen
Alles auf einmal
Sie sind sich absolut sicher. In diesem Jahr werden Sie sich um ihre Gesundheit kümmern. Zunächst mal einkaufen. Salat, Gemüse, Obst, Säfte, Wasser. Keine Schokolade, Cola, Tiefkühlpizza. Und natürlich auch keine Zigaretten. Ach ja. Vorher noch schnell ins Sportgeschäft. Laufdress und neue Schuhe. Wenn schon, denn schon. Sie wollen allen zeigen, dass Sie es ernst meinen.
Sie laufen los. Laufen? Nein. Sie rennen. So lange Sie können. Ist ja für die Gesundheit. Auch wenn die verfluchte Gesundheit mit Seitenstechen und Krämpfen beginnt. Das ist normal, das muss so sein. Gesundheit ist schließlich kein Zuckerschlecken. Das muss man spüren. Im ganzen Körper. Sie husten. Na klar, Sie spüren, wie das Nikotin die Lungen verlässt. Und zwar durch husten. Mittlerweile schmerzt alles. Der ganze Körper. Aber wie heißt es so schön? Was uns nicht umbringt, macht uns hart. Und Sie sind hart. Zwar ist die letzte Kippe gerade mal 30 Minuten her, aber Sie fragen sich jetzt schon, warum Sie mal so dumm gewesen sind und geraucht haben. Doch die Zeiten sind ja jetzt vorbei.
Zum Glück ist es nicht mehr weit bis zu ihrer Wohnung. Dann gibt es erst mal Salat. Vor ihrem geistigen Auge tauchen Hähnchen auf. Schön knusprig gebraten, mit fettiger Haut. Dazu ein kühles Bier und anschließend Chips. Eine kleine Belohnung hat man sich schließlich verdient. Morgen machen sie dann weiter.
…und zwar sofort
Sie ändern nicht nur Ihr ganzes Leben. Nein. Es muss jetzt sofort sein. Kein Veränderungsprozess, sondern direkt das Veränderungsergebnis. Ihre alten Verhaltensweisen haben sich über Jahre hinweg entwickelt. Nehmen Sie sich nun auch die Zeit, einen Prozess zu beginnen.
Das führt uns direkt zur nächsten Gefahr. Einmal ist keinmal sagt der Volksmund. Ich sage:
Keine Ausnahmen – mit einer Ausnahme
„Komm. Heute nicht. Nur heute. Einmal. Ein einziges Mal bleiben wir liegen. Morgen, morgen legen wir wieder los.“ Ganz verführerisch flüstert die Stimme in ihr Ohr. Sie denken sich, dieses eine Mal ist okay. Aber was war gestern? Bin ich da nicht auch schon liegen geblieben? Ja, aber nur, weil es geregnet hatte. Und ich habe mich eh nicht so gut gefühlt. Bevor man krank wird, bleibt man auch besser zu Hause. Morgen, da fange ich dann so richtig an. Deshalb ruhe ich mich heute noch ´mal aus.
Und wenn „der Morgen“ dann da ist? „Komm. Heute nicht. Nur noch heute.“ Das habe ich schon zweimal gemacht. Heute muss ich anfangen. „Du hast Recht. Du hast es schon zweimal gemacht. Deshalb ist es besser, es ganz sein zu lassen. Und demnächst neu zu beginnen. Dann aber richtig.“
Und Sie denken sich: Ja. Jetzt habe ich bereits geschlampt. Ich fange demnächst noch mal von vorne an. Ich wette, mindestens einmal im Leben ist es so gewesen. Bei mir. Und bei Ihnen auch! Einmal, nur ein einziges Mal, haben Sie eine Ausnahme gemacht. Und dann eine zweite. Und eine dritte. Und ruckzuck wurde aus der Ausnahme die Regel.
Vor vielen Jahren, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe, habe ich über drei Monate keine Kippe mehr angerührt. Bis – bis zu der einen Ausnahme. Ich habe eine mitgeraucht. Warum? Weil mein innerer Schweinehund mich überlistet hatte. Er hat mich darauf hingewiesen, dass ich locker übern Berg bin. „Du hast es geschafft! Und es war ganz leicht. Völlig easy.“ Hat er mir ins Ohr geraunzt. „Jetzt rauchst du mal eine mit. Damit du allen zeigen kannst, dass du kein Raucher mehr bist. Damit du erkennst, wie eklig der Geschmack ist.“ Er hatte Recht. Der Geschmack war scheußlich. Und mir wurde schwindelig. Nach wenigen Zügen legte ich die Zigarette beiseite. Froh darüber, dass diese Ära hinter mir war.
Kurze Zeit später meldete sich mein Schweinehund: „Du bist ein echter Kerl. Und dir wird schwindelig von einer kleinen Fluppe? Du bist kein Raucher mehr. Aber du kannst eine Zigarette rauchen ohne dass dir komisch wird. Wetten?“ Mein Schweinehund gewann die Wette. Ich konnte rauchen, ohne die komischen Begleiterscheinungen. Und er gewann eine zweite Wette, von der ich nichts wusste. Diese hatte er mit einem alten, weisen Mann in mir geschlossen. Worum es da ging? Er schafft es, mich wieder zum Rauchen zu verführen. Der weise Mann in mir hielt dagegen. Schließlich kannte ich die schädlichen Aus- und Nebenwirkungen des Rauchens. Schließlich hatte ich lange genug sinnloses Geld ausgegeben. Und schließlich war ich doch sauglücklich und stolz, diese Sucht endlich überwunden zu haben.
Der alte, weise Mann irrte.
Mittlerweile freut er sich. Seit vielen Jahren ist das Rauchen Geschichte. Bei mir. Und bei Ihnen? Bald. Sehr bald.
Was ist jetzt mit dieser Ausnahme?
Es kann und wird immer mal passieren, dass uns tatsächlich etwas dazwischenkommt. Sie wollen gerade zum Sport, da braucht ein Freund / eine Freundin dringend ihre Hilfe. Oder sie fühlen sich wirklich nicht gut. Auf der Arbeit kommt etwas Wichtiges dazwischen.
Es gibt gute Gründe, die eine Ausnahme erforderlich machen. Und wie fühlen Sie sich dann? Das ist die entscheidende Frage. Sind Sie froh, geradezu dankbar über die Ablenkung? Haben Sie mit dafür gesorgt, dass es zu dieser Ablenkung kommt? Wenn ja, steckt ihr innerer Schweinehund dahinter. Dann heißt es aufpassen, dass aus dieser Ausnahme keine Regel wird. Und damit ein vorprogrammiertes Scheitern.
Oder sind Sie echt traurig? Ärgern Sie sich, dass Sie nicht ihrer neuen Gewohnheit nachgehen können? Herzlichen Glückwunsch. Sie haben einen großen Schritt in Richtung Erfolg gemacht. Damit die zarte Pflanze nicht eingeht müssen Sie jetzt dafür sorgen, das Versäumte schnellstmöglich nachzuholen.
Überforderung
Diese Gefahr ist verwandt mit „Mehr davon“ und „Alles auf einmal“. Wenn Sie ihre Ziele, ihre Herausforderung zu hoch ansetzen laufen sie Gefahr, frühzeitig zu scheitern. Und das demotiviert dann. So stark, dass Sie den nächsten Versuch nicht mehr starten. Weil es über ihre Kräfte geht.
Aber ein Ziel soll doch auch herausfordernd sein? Ja, tatsächlich. Das muss es sogar. Herausfordernd ja, überfordernd nein. Das ist der kleine und doch entscheidende Unterschied. Das führt uns unweigerlich zu der Frage:
Was ist der Unterschied zwischen Heraus- und Überfordern? Sie ahnen es wohl schon. Hier gibt es keine allgemeinverbindliche Aussage. Das hängt von mehreren Faktoren ab; vor allem von ihrer Situation. Es fließen Begriffe wie „Motivation, Erfahrung, Einstellung, Menschentyp (leben Sie lieber auf „Nummer Sicher“ oder mehr „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“) usw.
Sie merken es. Glauben Sie, eine Chance zu haben, wenn Sie es wagen? Nicht a la „Wenn ein Wunder geschieht“, sondern „realistisch gesehen habe ich eine Chance“. Hat Ihr Ziel, nachdem Sie die smash-Kriterien durchlaufen haben, eine realistische Chance von rund 50%? Verwechseln Sie das nicht mit „Ich bin nicht 100%-ig sicher.“ Das sollen Sie nicht. Das wäre keine Chance, sondern absolute Sicherheit. Also: Gibt es eine Chance, wenn Sie sich strecken? Wenn Sie denken „Nun, ein bisschen muss ich schon investieren.“ Wenn Sie das Gefühl haben, es kann klappen?
Unerreichbares Ziel
Nach einem Kassensturz stellen Sie fest, dass Sie tatsächlich insgesamt 34,50€ besitzen. Inklusive aller Sparguthaben. Wenn Sie sich jetzt vornehmen, bis zum 31.01. von Ihren Zinsen Leben zu können, ist das möglicherweise etwas zu optimistisch. Und wenn Sie sich im zarten Alter von 57 vornehmen, Dirk Nowitzki (Basketballer in der amerikanischen Liga NBA) zu verdrängen, ist auch das vielleicht etwa zu hoch gegriffen.
Ziele müssen ambitioniert sein. Aber der gesunde Menschenverstand muss berücksichtigt werden.
Ein Rückfall
Sollte es Ihnen doch einmal passieren, dass Sie in die alte Gewohnheit zurückfallen, dann hadern Sie nicht mit sich selbst. Unterlassen Sie Bad Words und Killerphrasen. Und kasteien Sie sich nicht selbst. Es ist passiert. Nicht schön, aber auch nicht gleich der Weltuntergang. Setzen Sie keine negativen Erfolgskreisläufe in Gang. Negativer Erfolgskreislauf? Ja. Negativ, weil Sie destruktive Gedanken benutzen: Ich wusste ja, ich schaffe das nicht. Mir gelingt eben nichts. War klar, dass ich nicht durchhalte…
Erfolgskreislauf, weil Sie damit Erfolg haben: Der nächste Missversuch ist bereits eingeleitet. Das Scheitern programmiert. Versinken Sie auch nicht in Selbstmitleid, sondern schauen Sie im Gegenteil stolz auf das bisher erreichte.
Kein klares Ziel
Was haben mehr Sport, mehr Geld sparen, gesündere Ernährung, abnehmen und mehr um die Familie kümmern gemeinsam? Es sind schwammige Ziele! Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel: Gehört „im Lotto gewinnen“ zu Ihren Zielen? Schon mal einen Dreier gehabt? Super. Dann haben Sie Ihr Ziel erreicht. Nicht zufrieden? Sie meinten natürlich etwas anderes. Stellen sie sich vor, Sie bestellen im Versandhandel nur „Anziehsachen“. Das machen Sie nicht. Klar. Sie bestellen den Anzug Milano, Farbe dunkelblau, Größe 52, Preis 399,- Bestellnummer 123456789. Das ist eine klare Vorstellung.
Falscher Zeitpunkt
Viele mögen den Jahresanfang als symbolischen Neuanfang. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber was, wenn im Januar direkt 3 Geburtstagsfeiern anstehen, im Beruf neue Projekte beginnen und Sie im Karnevalsverein ein wichtiges Mitglied sind? Dann starten Sie mit einem großen Handicap.
Das Ziel der Anderen…
Soll auch das Ziel der Anderen bleiben. Haben Sie sich auf der Silvesterfeier nur dem Druck der Gruppe gebeugt? Weil alle entschieden haben, mit dem Rauchen aufzuhören? Und Sie haben zugestimmt, weil Sie nicht die Stimmung versauen wollten? Dann haben Sie nicht genügend innere Motivation, um die Veränderung durchzuhalten. Auch der nervende Partner, der Sie in Bier- und Sektlaune überredet hat, ist kein guter (motivierender) Grund.
Es liegt nicht in Ihrer Hand
Dieses Jahr wird beruflich Ihr Jahr. Das haben Sie sich ganz fest vorgenommen. Zu dumm nur, dass Ihr Chef und Ihre Kollegen das anders sehen. Wieder einmal werden nicht Sie befördert. Sondern der Meier aus Abteilung 4. Und zur Hälfte darf auch die Traumfrau mitentscheiden, ob es mit der Beziehung etwas wird.
So schaffen Sie es
- Schreiben Sie Ihr Ziel auf
- Beschreiben Sie das Ziel eindeutig und klar. Sagen Sie, was Sie möchten. So genau, als wenn Sie eine Bestellung im Katalog aufgeben.
- Überlegen Sie sich, ob das der passende Zeitpunkt ist
- Sehen Sie die Zielerreichung als einen Prozess an. „Auch ein Marsch von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“
- Belohnen Sie sich, wenn Sie das neue Verhalten ausüben
- Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche Rückschläge und Gefahren lauern und wie Sie damit umgehen (siehe auch Rückfall)
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